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Wasserstoffperoxidaufnahme bei der Abfüllung im Isolator: Schutz empfindlicher Produkte nach VHP

Ein Isolator kann seinen Belüftungsgrenzwert einhalten und dennoch Wasserstoffperoxid in das Produkt eintragen. Bei oxidationsempfindlichen Arzneimitteln, insbesondere Biologika, lautet die Frage nicht nur "liegt die Luftkonzentration unter 1 ppm?", sondern auch "wie viel Peroxid gelangt letztlich in das Behältnis?" Dieser Leitfaden erläutert, woher die Aufnahme kommt und wie sie sich kontrollieren lässt.

Fenggu VHP-Ingenieurteam4 min LesezeitAktualisiert im Oktober 2026
Kernaussagen
  • Nach der Belüftung verbleiben niedrige H₂O₂-Konzentrationen in der Isolatorluft, und H₂O₂ gast weiterhin aus Handschuhen, Dichtungen und Kunststoffen aus.
  • Offene Behältnisse und flüssiges Produkt, die dieser Luft ausgesetzt sind, können während der Abfüllung Peroxid aufnehmen; die Menge hängt von der Konzentration, der Expositionszeit und der Oberfläche ab.
  • Oxidationsempfindliche Produkte — viele Proteine, Peptide und einige kleine Moleküle — können bereits bei sehr niedrigen Konzentrationen beeinträchtigt werden.
  • Der Endpunkt der Belüftung für die Abfüllung sollte aus einer Studie zur Aufnahme in das Produkt abgeleitet werden und nicht allein aus dem Arbeitsplatzgrenzwert von 1 ppm.
  • Konstruktive Maßnahmen (Materialien mit geringer Aufnahmefähigkeit, geschlossener Produktweg, gute Belüftungskapazität) bewirken üblicherweise mehr als eine bloße Verlängerung der Belüftung.

Zwei unterschiedliche Grenzwerte

Wenn ein Isolator mit verdampftem Wasserstoffperoxid dekontaminiert wird, endet der Zyklus mit der Belüftung: Der Dampf wird entfernt, bis die Konzentration unter einen festgelegten Sollwert fällt. Dieser Sollwert wird häufig aus Arbeitsplatzgrenzwerten übernommen — 1 ppm ist der übliche Wert —, weil dadurch der Isolator sicher geöffnet und an ihm gearbeitet werden kann.

Für die Abfüllung ist eine andere Frage maßgeblich. Das Produkt atmet die Luft nicht ein; es befindet sich in offenen Vials, Spritzen oder Beuteln und ist dieser Luft während des gesamten Abfüllvorgangs ausgesetzt. Wasserstoffperoxid ist sehr gut wasserlöslich, sodass selbst eine sehr niedrige Konzentration in der Luft in ein wässriges Produkt übergehen kann. Bei einem robusten niedermolekularen Wirkstoff ist dies selten von Bedeutung. Bei einem oxidationsempfindlichen Biologikum kann es jedoch relevant sein.

Woher das restliche Peroxid stammt

HEPA-Zuluft Stopfen Tub-Deckel 1 2 3 4 5 Typische Quellen 1 Handschuhe und Ärmel 2 Flachdichtungen, Dichtungen, Kunststoffpaneele 3 Stopfen und Komponenten in Zuführschalen 4 Tubs mit Nestern und durchlässigen Deckeln 5 Produktweg und Füllnadeln Alle nehmen während der Begasung Dampf auf und setzen ihn während der Belüftung und Abfüllung wieder frei.
Schema eines Abfüllisolators. Die nummerierten Stellen sind die üblichen Orte, an denen Peroxid aufgenommen und später wieder freigesetzt wird.

Die Belüftung entfernt Peroxid rasch aus der Luft, doch Materialien, die es während der Begasungsphase aufgenommen haben, setzen es noch wesentlich länger frei. Die Konzentration in der Luft zu Beginn der Abfüllung und ihr langsamer Rückgang während der Abfüllung werden maßgeblich durch diese Materialien bestimmt:

  • Elastomere — Handschuhe, Ärmel, Tür- und Fensterdichtungen, aufblasbare Dichtungen.
  • Kunststoffe — Paneele, Schutzabdeckungen, Formatteile, Beutel und Schläuche.
  • Vor dem Zyklus eingebrachte Komponenten — Stopfen, Kappen und insbesondere Wannen mit genesteten Behältnissen. Deckel aus Polyolefin-Spinnvlies sind für den Dampf durchlässig, sodass das Innere der Wanne und die darin befindlichen Behältnisse exponiert werden können.
  • Produktberührende Teile — wenn Füllnadeln, Schläuche oder Pumpen während des Zyklus zum Isolatorraum hin offen sind, kann Peroxid an Oberflächen adsorbiert werden, die später unmittelbar mit dem Produkt in Kontakt kommen.

Welche Produkte gefährdet sind

Wasserstoffperoxid ist ein Oxidationsmittel. Proteine sind das klassische Beispiel empfindlicher Stoffe: Aminosäurereste wie Methionin und Tryptophan können oxidiert werden, was die Wirksamkeit, Aggregation oder Immunogenität beeinflussen kann. Veröffentlichte Studien zu monoklonalen Antikörpern und anderen Biologika haben nach der Exposition gegenüber Peroxid in sehr niedrigen Konzentrationen in Lösung eine messbare Oxidation gezeigt, und auch einige niedermolekulare Wirkstoffe und Hilfsstoffe (beispielsweise Polysorbate) sind empfindlich. Ob ein bestimmtes Produkt beeinträchtigt wird, muss für dieses Produkt festgestellt werden; es gibt keinen allgemein gültigen sicheren Wert.

Wie die Aufnahme gemessen wird

Eine Aufnahmestudie beantwortet die Frage unmittelbar: Wie viel Peroxid nimmt das Produkt oder ein Ersatzmedium unter Worst-Case-Bedingungen auf?

ElementTypische Vorgehensweise
ErsatzmediumWasser für Injektionszwecke oder Placebopuffer im tatsächlichen Behältnis, abgefüllt zu Beginn des Durchlaufs, wenn die Restkonzentrationen am höchsten sind
PositionenOffene Behältnisse an Worst-Case-Positionen: in der Nähe von Handschuhen, nahe absorbierenden Materialien, am Anfang des Förderbands und an Stellen mit geringer Luftströmung
ExpositionDie längste realistische Offenzeit, einschließlich Stillständen der Linie
Analytische BestimmungEine für den erwarteten Bereich ausreichend empfindliche Methode — üblicherweise eine fluorometrische oder andere Peroxidbestimmung für niedrige Konzentrationen, die für die Matrix validiert ist
LuftmessdatenMesswerte eines H₂O₂-Sensors für niedrige Konzentrationen im Isolator während der Studie, damit die Luftkonzentration mit der Aufnahme durch das Produkt in Beziehung gesetzt werden kann
Auswirkungen auf das ProduktBei empfindlichen Produkten eine Aufstockungsstudie, die zeigt, ab welcher Konzentration in der Lösung Qualitätsmerkmale beeinträchtigt werden

Die Kombination beider Ergebnisse ergibt einen belastbaren Zusammenhang: die Luftkonzentration, bei der die Abfüllung beginnen darf, und den Abstand zwischen der erwarteten Aufnahme und der Konzentration, die das Produkt beeinträchtigt.

Wirksame Maßnahmen

StellgrößeWas zu tun ist
Endpunkt der BelüftungLegen Sie die Bedingung für den Abfüllbeginn anhand der Aufnahmestudie fest. Bei empfindlichen Produkten liegt diese häufig deutlich unter 1 ppm, was zur Überprüfung einen Sensor für niedrige Konzentrationen erfordert.
BelüftungsleistungAusreichende Luftwechsel und ein Katalysator im Umluft- oder Abluftweg verkürzen die Belüftung; wärmere Luft unterstützt eine schnellere Freisetzung von Peroxid aus den Materialien.
MaterialienBevorzugen Sie im Isolator Materialien mit geringer Absorption (316L, Glas, PTFE, PVDF); minimieren Sie die exponierten Flächen aus Elastomeren und weichen Kunststoffen. Siehe VHP-Materialverträglichkeit.
Geschlossener ProduktwegHalten Sie vorsterilisierte produktberührende Teile während des Zyklus geschlossen oder geschützt, damit sie dem Dampf nicht ausgesetzt werden.
Beladung mit KomponentenLegen Sie fest, was sich während der Begasung im Isolator befindet. Komponenten, die anschließend über einen dekontaminierten Transferweg eingebracht werden, werden nicht mit Peroxid beladen.
ZyklusdosisVermeiden Sie eine Überdosierung. Ein Zyklus, der für die erforderliche Abtötungswirkung mit Sicherheitsmarge statt für die maximale Wirkung entwickelt wurde, hinterlässt weniger Peroxid, das durch Belüftung entfernt werden muss.
AbfüllreihenfolgeVerwerfen oder separieren Sie, sofern dies durch Daten begründet ist, die zuerst befüllten Behälter, bei denen die Rückstände am höchsten sind.

Die meisten dieser Maßnahmen sind Auslegungsentscheidungen. Sie lassen sich in der URS wesentlich leichter treffen als nach dem Bau des Isolators. Deshalb sollte die Peroxidempfindlichkeit des Produkts eine der ersten Fragen bei der Spezifikation eines Abfüllisolators sein.

Zum grundsätzlichen Vorgehen bei der Auswahl eines Isolators siehe Auswahl eines pharmazeutischen Isolators; zur Zyklusentwicklung und Qualifizierung siehe VHP-Zyklusentwicklung und IQ/OQ/PQ auf der Hauptwebsite.

Quellen

EU GMP Annex 1 (2022), Manufacture of Sterile Medicinal Products

PDA Technical Report No. 34, Design and Validation of Isolator Systems for the Manufacturing and Testing of Health Care Products

ISO 13408-6, Aseptic processing of health care products — Isolator systems

ISO 22441:2022 — Low temperature vaporized hydrogen peroxide sterilization

FAQ

Häufige Fragen

Ist 1 ppm H₂O₂ niedrig genug, um mit der aseptischen Abfüllung zu beginnen?

1 ppm ist ein Arbeitsplatzgrenzwert, kein Produktgrenzwert. Für robuste Produkte kann dieser Wert akzeptabel sein, bei oxidationsempfindlichen Produkten sollte die Startbedingung jedoch aus einer Aufnahmestudie abgeleitet werden und liegt häufig deutlich unter 1 ppm.

Warum bleibt nach der Belüftung restliches H₂O₂ zurück?

Handschuhe, Dichtungen, Kunststoffe und eingebrachte Komponenten nehmen während der Begasungsphase Peroxid auf und geben es langsam wieder ab. Die Konzentration in der Luft sinkt rasch, doch durch das Ausgasen dieser Materialien bleibt wesentlich länger eine niedrige Konzentration bestehen.

Welche Produkte sind empfindlich gegenüber Wasserstoffperoxid?

Proteine wie monoklonale Antikörper, Peptide sowie einige kleine Moleküle und Hilfsstoffe können oxidiert werden. Die Empfindlichkeit muss für jedes Produkt bestimmt werden, üblicherweise mit einer Studie unter gezielter Peroxidzugabe.

Wie wird die Aufnahme von Wasserstoffperoxid in das Produkt gemessen?

Mit Wasser oder Placebo gefüllte Behältnisse werden an Worst-Case-Positionen und über die längste realistische Zeit exponiert und anschließend mit einer empfindlichen, validierten Peroxidbestimmung analysiert. Gleichzeitig wird die Luftkonzentration mit einem Sensor für niedrige Messbereiche aufgezeichnet.

Wie lässt sich die Aufnahme von H₂O₂ verringern?

Sie lässt sich verringern, indem Materialien mit geringer Aufnahmefähigkeit verwendet werden, der Produktweg während des Zyklus geschlossen bleibt, Komponenten erst nach dem Zyklus eingebracht werden, eine Überdosierung vermieden wird, eine gute Belüftungskapazität bereitgestellt wird und die Startbedingung der Abfüllung anhand von Daten festgelegt wird.

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